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Private Krankenversicherung im Referendariat: Das gilt es zu wissen

Von Michael SchreiberAktualisiert am 14. November 20256 Min. Lesezeit

Wie Referendare mit Beihilfe ihren PKV-Beitrag von oft unter 100 Euro berechnen, welcher Anwärtertarif 2026 passt und worauf Lehramt und Jura vor dem Abschluss achten.

Inhaltsverzeichnis
  1. Warum Referendare nur den halben Schutz bezahlen
  2. Was kostet die PKV im Referendariat wirklich?
  3. Lehramt, Jura und der Sonderfall Berlin
  4. Die Gesundheitsfragen ehrlich beantworten
  5. Was passiert nach dem Referendariat?
  6. Wenn Sie sich noch nicht festlegen wollen

Als ein angehender Studienreferendar aus Hannover mir letztes Jahr sein erstes PKV-Angebot zeigte, stand dort ein Beitrag von 94 Euro im Monat. Er war sich sicher, das müsse ein Fehler sein, so eine Lockzahl, die später explodiert. War sie nicht. Ein Referendar mit Beamtenstatus zahlt für seine Krankenversicherung tatsächlich oft weniger als für sein Handy und seine Streamingdienste zusammen. Der Grund dafür ist die Beihilfe, und wer im Vorbereitungsdienst steckt, sollte dieses Prinzip einmal richtig verstanden haben, bevor er unterschreibt. Es entscheidet über mehr Geld, als die meisten ahnen.

Warum Referendare nur den halben Schutz bezahlen

Die meisten Lehramts- und Rechtsreferendare werden als Beamte auf Widerruf eingestellt. Mit diesem Status kommt der Anspruch auf Beihilfe, und das ist der ganze Hebel. Die Beihilfe ist keine Versicherung, sondern eine Fürsorgeleistung des Dienstherrn. Sie erstattet einen festen Prozentsatz Ihrer Arzt-, Zahnarzt- und Krankenhauskosten direkt. Für einen ledigen Referendar sind das in der Regel 50 Prozent.

Die andere Hälfte versichern Sie privat. Genau dafür gibt es beihilfekonforme Tarife. Sie sind so gebaut, dass sie prozentgenau dort einspringen, wo die Beihilfe aufhört. Bei 50 Prozent Beihilfe brauchen Sie also einen Tarif, der die restlichen 50 Prozent trägt. Diese saubere Verzahnung ist der Grund, warum Ihr Beitrag so niedrig ausfällt. Sie versichern schlicht nur ein halbes Risiko.

Wer Kinder hat, profitiert noch stärker. Ab dem zweiten berücksichtigungsfähigen Kind steigt die Beihilfe für den Referendar selbst meist auf 70 Prozent, die PKV deckt dann nur noch 30 Prozent. Die Kinder selbst werden mit 80 Prozent bedacht, sodass für sie ein winziger Restkostentarif genügt.

Wer Üblicher Beihilfesatz PKV deckt
Lediger Referendar 50 % 50 %
Referendar ab zweitem Kind 70 % 30 %
Kind 80 % 20 %
Ehepartner ohne nennenswertes Einkommen 70 % 30 %

Die genauen Sätze legt jedes Land in seiner eigenen Beihilfeverordnung fest. Sie sind also nicht bundesweit identisch, weichen aber selten stark von diesen Werten ab.

Was kostet die PKV im Referendariat wirklich?

Hier ein paar realistische Größenordnungen für einen gesunden Referendar zwischen 23 und 28 mit 50 Prozent Beihilfe, ohne Risikozuschlag, Stand 2026. Die Spannen sind echt, kein Versicherer wird Ihnen für alle Niveaus denselben Beitrag nennen.

Tarifniveau Leistung grob Monatsbeitrag 2026
Basistarif Anwärter solide Grundabsicherung, kleine Selbstbeteiligung 80 bis 110 Euro
Komfort Zweibettzimmer, guter Zahnanteil 110 bis 150 Euro
Premium Einbettzimmer, Chefarzt, hoher Zahnersatz 150 bis 200 Euro

Zum Vergleich: Bliebe derselbe Referendar freiwillig in der gesetzlichen Kasse, zahlte er dort ohne Beihilfevorteil und ohne Arbeitgeberzuschuss schnell um die 250 Euro im Monat. Die Beihilfe verschenkt der Staat nämlich nicht an die GKV, sie nützt nur dem privat Versicherten. Das ist der eigentliche Witz an der Sache, und genau deshalb wechseln so viele Referendare.

Der größte Hebel beim Beitrag ist Ihr Eintrittsalter, nicht der Versicherer. Wer mit 23 einsteigt, beginnt früh mit dem Ansparen der Altersrückstellungen, die den Beitrag später stabil halten. Diese stillen Reserven sind im Anwärtertarif noch klein, das stimmt, aber das Eintrittsalter wird festgeschrieben. Es wirkt ein Leben lang.

Lehramt, Jura und der Sonderfall Berlin

Jetzt der Punkt, der in vielen Ratgebern unter den Tisch fällt: Nicht jeder Referendar ist Beamter. Und ohne Beamtenstatus gibt es keine Beihilfe, womit die ganze schöne Rechnung kippt.

In den meisten Ländern werden Lehramtsanwärter und Rechtsreferendare auf Widerruf verbeamtet. Berlin tanzt aus der Reihe. Dort sind Lehramtsanwärter seit Jahren angestellt, nicht verbeamtet, und damit ohne Beihilfeanspruch. Ein angestellter Referendar ist normal in der GKV pflichtversichert und zahlt seinen Beitrag prozentual vom Gehalt. Für ihn ist die teure beihilfekonforme PKV in aller Regel keine sinnvolle Option, weil ihm der halbe Schutz vom Dienstherrn fehlt.

Auch bei Rechtsreferendaren lohnt der genaue Blick. Die meisten Bundesländer verbeamten Juristen im Referendariat auf Widerruf. Einzelne stellen sie aber im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis ohne Beamtenstatus an. Prüfen Sie Ihren Einstellungsbescheid, bevor Sie überhaupt einen PKV-Antrag stellen. Steht dort “Beamter auf Widerruf”, haben Sie Beihilfe. Steht dort etwas anderes, klären Sie den Beihilfeanspruch beim Landesamt, sonst zahlen Sie für eine Versicherung, die nur das halbe Risiko deckt, obwohl niemand die andere Hälfte trägt.

Die Gesundheitsfragen ehrlich beantworten

Anders als bei der gesetzlichen Kasse nimmt die PKV Sie nur nach einer Gesundheitsprüfung auf. Im Antrag stehen Fragen nach Behandlungen, Diagnosen und Medikamenten der letzten Jahre. Wer hier schummelt oder etwas weglässt, riskiert später die vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung. Im schlimmsten Fall tritt der Versicherer Jahre später vom Vertrag zurück, wenn die Behandlung teuer wird. Das will niemand erleben.

Mein dringender Rat aus der Praxis: Stellen Sie vor dem eigentlichen Antrag eine anonyme Risikovoranfrage. Dabei prüfen mehrere Versicherer Ihre Vorerkrankungen, ohne dass Ihr Name in einem zentralen System landet. So sehen Sie vorab, welche Gesellschaft welchen Zuschlag verlangt, und müssen keine Ablehnung fürchten, die andere Versicherer abschreckt. Eine Allergie oder eine alte Sportverletzung ist meist harmlos. Eine chronische Erkrankung kann dagegen einen Zuschlag oder einen Leistungsausschluss bedeuten, und dann wollen Sie das vorher wissen.

Was passiert nach dem Referendariat?

Hier liegt die wichtigste Weichenstellung, und sie wird oft erst zu spät bedacht. Werden Sie nach dem Vorbereitungsdienst auf Lebenszeit verbeamtet, läuft Ihre PKV einfach weiter. Der vergünstigte Anwärtertarif geht in den regulären Beamtentarif über, der Beitrag steigt auf grob 250 bis 300 Euro, weil die Ausbildungsrabatte entfallen, die Beihilfe aber weiter 50 Prozent trägt. Achten Sie schon beim Abschluss darauf, wie groß dieser Sprung ausfällt. Bei manchen Gesellschaften ist er moderat, bei anderen unangenehm steil. Fragen Sie die Zahl ab, sie steht selten im Angebot.

Heikler wird es, wenn keine Verbeamtung folgt. Nicht jeder Lehramtsabsolvent bekommt sofort eine feste Stelle, und ein Jurist landet vielleicht in einer Kanzlei als Angestellter. Dann fällt die Beihilfe weg. Sie stehen mit einem PKV-Vertrag da, der für einen Beihilfeberechtigten kalkuliert war, und müssen ihn entweder auf Vollkosten umstellen oder, falls Ihr Gehalt unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, zurück in die GKV.

Diese Rückkehr ist der unangenehme Teil. Vor dem 55. Lebensjahr gelingt sie fast nur über eine versicherungspflichtige Anstellung mit einem Gehalt unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze, die 2026 bei 77.400 Euro liegt. Wer als Selbstständiger startet oder darüber verdient, bleibt privat.

Wenn Sie sich noch nicht festlegen wollen

Manche Referendare zögern, weil ihre berufliche Zukunft unsicher ist. Für die gibt es einen eleganten Mittelweg, den kaum ein Vergleichsportal erwähnt: die Anwartschaftsversicherung. Sie bleiben während des Referendariats freiwillig in der GKV und schließen parallel eine sogenannte Anwartschaft bei einem privaten Versicherer ab. Gegen einen kleinen monatlichen Beitrag, oft im niedrigen zweistelligen Bereich, sichern Sie sich Ihr heutiges Eintrittsalter und Ihren heutigen Gesundheitszustand. Wechseln Sie später doch komplett in die PKV, gelten diese alten Werte, ganz ohne neue Gesundheitsprüfung.

Das ist nicht für jeden nötig. Aber wer mit einer Vorerkrankung kämpft oder ernsthaft mit einer angestellten Tätigkeit danach liebäugelt, kauft sich damit Bewegungsfreiheit. Ich empfehle es vor allem denen, die heute schon ahnen, dass das Referendariat nicht direkt in die Verbeamtung mündet.

Ein letzter praktischer Hinweis, der schon einigen einen lückenlosen Versicherungsschutz gerettet hat. Wenn Sie bisher freiwillig in der GKV versichert waren, haben Sie beim Wechsel kein außerordentliches Kündigungsrecht, sondern müssen die zweimonatige Kündigungsfrist einhalten. Kümmern Sie sich also rechtzeitig, am besten schon vor dem ersten Diensttag, sonst zahlen Sie ein paar Wochen doppelt. Wer dagegen direkt aus der studentischen Familienversicherung kommt, kann meist nahtlos in die PKV starten. Klären Sie diesen einen Termin früh, dann passt der Rest fast von allein.

Häufige Fragen

Was kostet die private Krankenversicherung im Referendariat 2026?+

Ein gesunder Referendar Anfang 20 zahlt 2026 für einen beihilfekonformen Anwärtertarif meist zwischen 80 und 150 Euro im Monat. Weil die Beihilfe 50 Prozent der Kosten direkt übernimmt, versichert die PKV nur die andere Hälfte, und viele Gesellschaften rechnen für Anwärter zusätzlich mit einem vergünstigten Ausbildungsbeitrag. Premiumtarife mit Einbettzimmer und hohem Zahnersatz liegen etwas höher.

Sind alle Referendare Beamte auf Widerruf?+

Nein. In den meisten Bundesländern werden Lehramts- und Rechtsreferendare als Beamte auf Widerruf eingestellt und haben damit Anspruch auf Beihilfe. In Berlin sind Lehramtsanwärter seit Jahren angestellt und nicht verbeamtet, daher ohne Beihilfe. Auch einzelne Tarifbeschäftigte im Vorbereitungsdienst bekommen keine Beihilfe. Wer keine Beihilfe erhält, sollte sehr genau rechnen, ob die PKV überhaupt passt.

Kann ich nach dem Referendariat wieder zurück in die GKV?+

Das ist schwierig. Wer als Beamter auf Widerruf in die PKV gewechselt ist und danach verbeamtet wird, bleibt im Normalfall privat versichert. Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung gelingt vor dem 55. Lebensjahr fast nur über eine versicherungspflichtige Anstellung mit einem Gehalt unter der Pflichtgrenze. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann während des Referendariats in der GKV bleiben und nur eine Anwartschaft auf die PKV abschließen.

Lohnt sich die PKV im Referendariat oder ist die GKV besser?+

Für die meisten verbeamteten Referendare ist die PKV deutlich günstiger, weil die Beihilfe die halbe Rechnung trägt und die GKV als freiwillige Versicherung ohne Arbeitgeberzuschuss schnell 250 Euro und mehr kostet. Anders sieht es bei chronischen Vorerkrankungen, einer geplanten kurzfristigen Anstellung danach oder bei mehreren Kindern aus, die in der GKV beitragsfrei mitversichert wären. Dann kann die GKV trotz höherem Beitrag die ruhigere Wahl sein.

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